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Bodenteplatte gießen - die Fünfte

Eine Geschichte über Steine

Was uns bisher an der Baustelle „Grundschule“ begleitete waren Steine.

Um auf den Berg bei Khali Kola zu kommen, auf dem die Grundschule steht, muss man zunächst eine Stunde über nepalesische Straßen fahren und dann natürlich noch den Berg erklimmen. Zum Glück ist der Aufstieg nicht so schlimm, wie zunächst angenommen. Wer jedoch die Ehre hat einen 20l Kanister Wasser den Berg hoch zu tragen, könnte das Gegenteil behaupten.

Als wir ankamen, waren sowohl das Dachgerüst, sowie acht Fundamente für die acht Stützsäulen des Gerüsts fertiggestellt und vor Ort. Leider waren die Fundamente einen Meter tief im Boden und die eigentlichen Fundamente freigelegt, die Verbindungen dazwischen jedoch nicht. So mussten noch jeweils 60 cm breite Gräben zwischen den Säulen gegraben werden. Nachdem wir fast fertig mit den Gräben waren, stellte sich heraus, dass die Säulen erneut ausgereichtet werden mussten und wir so unserer Gräben um einiges verbreitern mussten.

Das war besonders ungünstig, da die „Erde“ zu großen Teilen aus gut verkeilten mittelgroßen bis großen Steinen und hochverdichteter Erde besteht. So kann man also nicht einfach mit einer Schaufel in den Boden stechen, da man nach etwa fünf Zentimetern auf einen Stein trifft. Mit Spitzhacke, Spaten und Vorschlaghammer waren aber weder der Boden noch die verbliebenen Stahlbetonträger der alten Schule ein Problem. Auch wenn es sehr viel Kraft, Zeit und Anstrengung gekostet hat.

Auf der Baustelle sind seit unserem zweiten Arbeitstag nepalesische Bauarbeiter, die zum einen das Know-How, wie man so ein Gebäude auf einem solchen Berg errichtet, wie auch ihre Arbeitskraft einbringen.

Jetzt sagte man uns wir müssten den gegrabenen Graben wieder mit Steinen füllen. Während wir also begannen die ausgegrabenen Steine wieder in die Gräben zu Füllen (man soll nach Möglichkeit große Steine verwenden), bauten unsere Bauarbeiter um jede der Säulen eine Mauer aus Natursteinen. Die so entstandenen Hohlräume wurden dann mit Beton vollgegossen.

Nach einer Weile reichten die ausgegrabenen Steine nicht mehr aus, um die Gräben zu füllen. Glücklicher Weise gab es in einiger Entfernung einige Haufen mit großen Steinen. Die wurden dann per Kette an die Gräben transportiert. Auf die Steine kam dann schließlich eine abschließende Schicht aus Beton.

Der Sand und der Zement, die für die Baustelle benötigt werden, tragen die Nepali mit einer Art Stirnband den Berg hoch. In Flip-Flops. Dabei trägt einer gut und gerne mal 50 kg oder auch mehr. Die Bauarbeiter tragen auch Flip-Flops die nennen wir mittlerweile Sicherheitsflipflops.

Einige Tage später -wir konnten alle schon keine Steine mehr sehen- war der Graben voll und die oberste Steinschicht überbetoniert. Währenddessen hatten unsere Maurer angefangen eine Mauer aus Ziegelsteinen auf den Beton zu bauen, um überall gleiche Höhe für den Boden zu markieren.

Jetzt musste nur noch der Boden auf die Höhe der Mauer gebracht werden. Dafür benötigt man mal wieder -wer hätte das gedacht- Steine. Also wieder eine Steinkette. Mittlerweile mussten  wir die Kette zwei oder drei Mal machen, um die Steine von A nach B zu bewegen.

Endlich war also der Boden bis einen Ziegelstein unter den Rand der Mauer aufgefüllt worden, da teilte man uns mit, dass der Boden doch noch drei Ziegelsteine höher liegen müsse.

Wieder Steine tragen.

Immer wieder dachten wir, die Zeit für die Bodenplatte sei reif. Nun war es endlich soweit, wir stärkten uns ganz besonders, da erreichte uns ein Anruf, dass es auf der Baustelle nicht genug Wasser sei. Also ist die Bodenplatte wieder verschoben worden. Ich hoffe, dass es morgen losgeht!

 

Wenn wir nicht gerade Steine tragen, genießen wir die wunderbare Aussicht und freuen uns in der Mittagspause, wenn der Wind leise durch unser Sonnensegel weht. Dann kommt manchmal ein Gefühl von Erholungsurlaub auf und ein Zustand tiefer Ruhe und Glückseligkeit stellt sich ein.

Ich freue mich auf morgen! Gute Nacht

Julian

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