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Der letzte Tag

Freitag 1.11..2019 10:45 Uhr Kathmandu Nepal / 06:00 Deutschland

Der letzte Tag L

Es ist viel passiert seit unserem letzten Blog. So viel das keine Zeit blieb zu schreiben und ich mir jetzt Mühe geben muss alles in die richtige Reihenfolge zu bringen und nichts zu vergessen. Daher geht es jetzt streng nach Datum…

Sonntag 24.10.: Nach dem Fußballspiel (das übrigens unentschieden ausging und wir somit unseren ersten Punkt seit dem ersten Besuch 2013 erspielt haben) haben die Sisters uns bekocht. Es gab ein reichhaltiges und leckeres indisches Essen, da alle der drei Sisters gebürtige Inderinnen sind. Father Michael hat Lotte auch schon eine Geburtstagstorte überreicht, die wir dann gemeinschaftlich am

Montag den 25.10., Lotte´s Geburtstag, in aller Frühe verzehrt haben, da wir mit 14 Teilnehmern auf ein Health Camp gefahren sind. Finanzieren konnte sich das Camp durch  zwei unserer jüngsten Mitreisenden dank fleißigem Kuchenverkauf in Bonn. Dabei sind gut 1.000 € zusammengekommen, mit denen wir das Health Camp mit 4 Ärzten finanzieren, und sogar noch jedem der gut 300 eingetroffenen Patienten 2 ½ Kilo Linsen geben können. Für die Kinder gab es dazu noch ein paar Süßigkeiten, die wir mitgebracht haben, und Spielzeug und Kleidung aus der Schweiz, die zusammen mit unseren Baumaterialien im Container angeliefert wurden. Für uns war es ein Tag mit unvergesslichen Eindrücken, doch wir kamen auch sehr angestrengt zurück. Alleine die Anfahrt hat 4 Stunden gedauert. Davon 3 Stunden mit Geländewagen über Stock und Stein und durch Flüsse. Beeindruckend und erschreckend zugleich, bedenkt man das die Chepang in Regionen leben zu denen es in der Regenzeit keine Straßen gibt. Diese Menschen sind auch für nepalische Standards sehr arm und haben, zumindest mich, durch Ihre dennoch stolze und fröhliche Art, sehr beeindruckt. Als wir abends zurück in unserem nun luxuriös erscheinenden Zuhause waren ging es schnell zu Bett. Der Tag hatte es in sich.

Ebenfalls an diesem Tag haben sich, unter Daniels Leitung, 8 Wanderverrückte zu einer Treckingtour zum Poon Hill auf 3210 m Höhe aufgemacht. Die Tour dauert 6 Tage so dass wir diese Scoutergruppe erst bei Abfahrt aus Tandi wiedersehen sollten.

Am Dienstag, den 26.10. haben wir es etwas ruhiger angehen lassen und lediglich bis mittags gearbeitet denn am Mittwoch, den 27.10. haben wir die Ausgleichsmasse im ersten Stock des Krankenhauses gegossen. Eine Arbeit die ohne Unterbrechung erfolgen muss und vieler Hände bedarf. Mit den gesammelten Erfahrungen aus dem zweiten Stock und einigen Änderungen in den Arbeitsabläufen haben wir es aber an einem Vormittag geschafft die gut 1,5 Tonnen Ausgleichsmasse auf den ca. 130 m² zu verteilen.

Donnerstag, der 28.10. war im Vergleich dann wieder ein „ganz normaler“ Arbeitstag. Am Abend hatten wir dann aber einen besonderen Programmpunkt. Wir waren vom Krankenhauskomitee zu einer offiziellen Verabschiedung mit Abendessen geladen. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Besonderes Highlight war die Anwesenheit des Regierungschefs der Region Chitwan, in der immerhin 600.000 Menschen leben. Er hat uns (und natürlich auch Ruth) für unser langjähriges Engagement in der Region und für die Chepang gedankt und jeder Scouter hat als Zeichen des Dankes und der Verbundenheit eine Topi Kapi bekommen. Eine traditionelle Kopfbedeckung, die so etwas wie das Erkennungszeichen der Nepalesen ist. Eine wirklich große Auszeichnung und ein schönes Abschiedsgeschenk. Einziger Schönheitsfehler des Tages war die auf gefühlt minus 5 Grad heruntergekühlte Luft im Versammlungsraum. Dies sollte zur Folge haben, dass einige wohl mit einer frischen Erkältung zuhause ankommen werden. Aber egal. Wer geehrt werden will muss leiden.

Freitag, der 29.10. stand unter dem Motto Fertigstellung. Hier ein kurzer Abschlussbericht unserer Baustellen:

 

1 Geplante Arbeiten:

a)     

Boden verlegen im 2. OG des Krankenhausneubaus

b)     

Rollstuhlrampe zum Eingang des Neubaus

c)      

Boden verlegen in der Aula der Navodaya School

2 Zufällige Produkte unserer Anwesenheit

a)     

Boden verlegen im 1. OG des Krankenhausneubaus (1/4 der Fläche muss noch geklebt, und das ganze Stockwerk mit Fußleisten versehen werden)

b)     

Eingießen der Stützpfeiler für eine Dacherweiterung am alten Krankenhaus

c)      

Zumauern einer Erdbebenspalte durch die immer Wasser in das alte Gebäude läuft

d)     

Anschluss des Regenwasserkanals des neuen Gebäudes an die öffentliche „Kanalisation“ (konnten wir nicht ganz fertig stellen, da aufgrund nepalesischer Festtage nicht das Ganze Rohrmaterial geliefert werden konnte)

Ein Ergebnis das sich sehen lassen kann und auf das alle Teilnehmer stolz sein können. Ach so – bevor ich´s vergesse – so nebenbei haben wir auch „unseren“ Aufenthaltsraum mit neuem Boden versehen, der die löchrigen, mit Panzerband befestigten Plastikmatten ersetzt hat. Einen neuen Anstrich gibt es nächstes Mal.

Und natürlich haben wir an diesem Tag unser Material gereinigt, katalogisiert und verpackt und schon mal alles für die Abreise vorbereitet. Am frühen Nachmittag kamen dann auch die Poon Hill Besteiger zurück. Erschöpft, glücklich und mit vielen schönen Eindrücken ausgestattet. Abends hat uns Ruth ins Krankenhaus zu einer familiären Abschiedsfeier eingeladen. Ihr Dank und Ihre aufrichtige Anerkennung unserer Arbeit und Anwesenheit hier bedeutet mir sehr viel. Sie ist das Herz und der Motor des Krankenhauses und einer der angesehensten Menschen in dieser Region und es macht sehr glücklich, dass wir Ihr dabei eine wirkliche Unterstützung sind.

Und wie für uns bestellt hält um ca. 20:00 ein Geländewagen vor dem Krankenhaus. Darin eine hochschwangere Frau. Sie hat es nicht bis in den Kreissaal geschafft. Aber mit Hilfe der krisenerprobten Hebammen des Krankenhauses hat, vor unseren Augen, ein Chepang das Licht der Welt erblickt. Auf dem Vordersitz eines alten Geländewagens. Mutter und Kind sind wohlauf. Auch Dank des Krankenhauses und der Tatsache, dass es Ruth war, die einen 24 Stundenbetrieb im Krankenhaus gefordert und ermöglicht hat. Ich gehe mit einem guten Gefühl zum letzten Mal in diesem Jahr in Tandi ins Bett. Schlaf ist nötig denn

Samstag, der 30.10 ist der Tag der Abreise nach Kathmandu. Und das kann anstrengend sein. Nicht nur das alles Gepäck gepackt und verladen werden muss, auch die Fahrt birgt gerne Überraschungen. Und es ist die Zeit der Verabschiedungen. Father Michael haben wir uns bereits am Vortag Lebewohl gesagt. Er musste nach Indien. An der Schule verabschieden wir uns von den Sisters und Kishor, die uns immer sehr unterstützen uns alle Einrichtungen der Schule nebst Fahrzeug zur Verfügung stellen. Auch unsere gemeinsame Zeit mit Lahawar geht hier zu Ende. Es war erfolgreich und hat Spaß gemacht mit ihm zu Arbeiten. Wir haben viel von ihm gelernt und er hoffentlich noch mehr von uns. Er wird nach unserer Abreise weiter für uns Arbeiten. Der Boden am Krankenhaus muss fertig gemacht werden und es soll noch weiterer Boden an der Schule, im Krankenhaus und im Rathaus verlegt werden. Robert, der ja bis Mai in Nepal bleibt, wird ihm dabei helfen. Ruth ist von Lahawar´s Arbeitsweise und Einstellung so überzeugt, dass Sie bereits weitere Arbeiten am Krankenhaus für ihn hat und unsere Hoffnung, dass er eines Tages als Haushandwerker / Hausmeister des Krankenhauses fest angestellt wird wächst. Auch das wäre ein Erfolg unserer Anwesenheit.

Nach einem kurzen Stopp am Krankenhaus und der Verabschiedung von Ruth verlässt uns auch Muna. Sie hat uns, gemeinsam mit Aiti, nicht nur großartig beim Kochen und einkaufen unterstützt sondern war Teil der Gruppe. Steht’s fröhlich, neugierig und für jeden Spaß zu haben. Nebenbei hat sie mehr Deutsch gelernt als wir alle zusammen Nepali. Ich hoffe die Beiden sind in zwei Jahren wieder dabei. Denn das steht fest – wir fahren wieder. Und vielleicht, und das ist die schöne Überraschung an diesem Tag, sind wir dann auf dem Hinweg so schnell wie heute. Tandi – Kathmandu  in 4 Stunden. Das gab es noch nie. Dem Feiertag sei Dank.

Da ich jetzt auch noch ein paar Mitbringsel für das Rudel daheim kaufen will endet mein Bericht hier. Den Rest erzählen wir live in Bonn. Mit einem lachenden Auge und einem weinenden. Denn unsere Zeit in Nepal ist vorbei. Torben ist der erste der das Land verlässt. Er fliegt schon früher. Simon und Daniel bleiben noch zwei Wochen hier um das Land mit dem Motorrad zu erkunden und mit Robert gibt es erst nächstes Jahr im Frühjahr ein Wiedersehen.

Ein Fazit – gibt es nicht. Das hieße ja dass etwas vorbei ist. Ist es aber nicht. Es geht los – Nepal 2021. Das fünfte Mal. Es war und ist immer etwas Besonderes mit Scoutern unterwegs zu sein. Daher ein Dank an alle die seit 2013 hier waren und an alle, die es uns ermöglichen.

Bis Bald in Bonn. Es gibt viel zu erzählen.

Jan   

 

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