39 Tage seit Nepal 2019.

Sie sind hier

Die ersten Tage auf der Baustelle (Nico)

Namaste zusammen.

Der letzte Blogeintrag ist nun schon ein paar Tage her und es ist viel passiert.

Für uns hat sich mittlerweile ein fester Alltag etabliert. In diesem Blog befasse ich mich insbesondere mit der Krankenhaus Baustelle, da ich bisher noch nicht die Gelegenheit hatte mit nach Kahlikohla zu fahren. Im Krankenhaus gibt es einfach zu viel zu tun. Der nächste Eintrag, der sobald wie möglich folgt, beschäftigt sich mehr mit dem Bau der Grundschule. Bisher habe ich allerdings viel Gutes gehört.

Unser Tag fängt für die meisten um 6 Uhr an. Damit sich das Frühstück nicht zu lange hinaus zögert haben wir jeden Tag einen Küchendienst, der schon um 5:30 aufsteht und alles vorbereitet. Ab 6:30 gibt es dann Tee, Kaffee, süße Brötchen und Müsli. Währenddessen klären wir, wer auf welche Baustelle fährt. Metes und ich sind für das Krankenhaus verantwortlich. Die anderen, die nach Kahlikohla fahren, nehmen uns immer im Bus mit und wir springen in Tandi raus, um die letzten paar Meter zu Fuß zurück zu legen.

Wie schon erwähnt haben wir die Entscheidung getroffen, ein Wellblechdach auf das Krankenhaus zu bauen und ein Krankenzimmer per Exempel herzurichten. In dem Raum gibt es jeden Tag nur für 2-3 Personen Arbeit und so konzentriert sich der Großteil auf die Arbeiten am Dach.

Das Krankenzimmer ist, wie fast alle Räume, von der Feuchtigkeit betroffen, was die Pinselei stark erschwert. Wir haben die Türen ausgehangen und bisher fleißig Macken und Schäden in den Türrahmen gespachtelt und geschliffen. Inzwischen sind diese auch grundiert und 2 Mal lackiert. Dennoch schlägt der Untergrund an manchen Stellen immer noch durch. Wir werden noch eine Lackschicht aufbringen und dann sind die Türen und Rahmen fertig, sodass sie abgeklebt werden können. Zu guter Letzt streichen wir die Wände. Wir wollen damit ein Beispiel abgeben, wie jedes Zimmer aussehen könnte, wenn es vernünftig in Stand gesetzt wird. Dafür muss das Krankenhaus aber dicht sein und damit komme ich zum neuen Wellblechdach.

Bisher haben wir schon recht viel schaffen können, auch wenn davon leider noch relativ wenig zu sehen ist. Aus dem bisherigen Dach ragt an vielen Stellen das Moniereisen der tragenden Säulen hervor, da man sich die Möglichkeit offen lassen möchte einen zweiten Stock aufzusetzen. Diese Eisen wollen wir einschalen und dann mit Beton umgießen. In diese kleinen Verlängerungen der darunter befindlichen Säulen gießen wir dicke Metallrohre ein, auf die später das Gestell für das Wellblech aufgesetzt werden soll. Dafür haben wir in den letzen Tagen die Schalungen hergestellt. Das dauerte dank des suboptimalen Holzes ein wenig, aber mittlerweile haben wir fünf Schalungen zur Verfügung. Außerdem haben wir jede Menge Sand und Kiesel auf das Dach geschafft, die, mit Beton vermischt, den Estrich für die Säulen ergeben. Wir müssen den Estrich mit Hand anrühren, deshalb bekommen wir pro Tag nicht mehr als 5 Säulen gegossen.

Außerdem haben wir um eine der beiden Erdbebenspalten auf jeder Seite ein kleines Mäuerchen gezogen, auf dem wir ein Blech befestigen. Dies dient dem Schutz vor Regenwasser, das bisher so gut wie ungehindert ins Bauwerk eindringen konnte. Wir können nämlich auf einem Drittel des Krankenhauses leider kein Wellblechdach aufbauen, da eine große Solaranlage im Weg steht. Hierfür muss in Zukunft aber natürlich auch eine langfristige Lösung her.

Wir arbeiten am Krankenhaus jeden Tag bis ca. 6 Uhr was aber eine lange Mittagspause beinhaltet, da es um die Mittagszeit auf dem sich aufheizenden Betondach einfach viel zu warm wird. Am Nachmittag wird es ab 3 Uhr in der langsam sinkenden Abendsonne wieder angenehmer. Um 7 Uhr ist es dunkel und für uns Essenszeit. Die wirklich sehr anstrengende Arbeit, ob am Krankenhaus oder an der Grundschule macht uns alle sehr müde, so dass sich die meisten sehr schnell in ihre Zelte verkriechen.

Mit einem Blick von außen auf den Betrieb des Krankenhauses ist für mich, und ich denke da kann ich für die meisten anderen mitsprechen, vieles unverständlich. Es herrscht zum Teil wirklich Chaos. Einige Räume sind mit alten Betten und anderen „Abfällen“ zugestellt. Die nepalesischen Organisatoren haben nämlich Angst altes Mobiliar wegzuschmeißen oder zu verkaufen, obwohl Platz und etwas Geld natürlich willkommen wären. Das Krankenhaus ist Teilweise staatlich finanziert. Wenn die alten Betten einfach verkauft würden, käme der Staat und fragte nach, wo die hin sind, da er sie ursprünglich bezahlt hat. Es wäre nicht möglich, das gewonnene Geld einfach wieder zu investieren. Der verantwortliche Regierungsbeamte möchte nämlich auch etwas daran verdienen und so macht man dem vielen Konjunktiv einfach ein Ende, indem man die alten Sachen einfach in den Keller stellt. Die Entscheidungsprozesse rollen zwar langsam an, aber es dauert alles einfach viel zu lange. Außerdem ist die Ordnung ein Problem. Dr. Ruth hat schon sehr viel getan und angeordnet, aber ihre Kräfte reichen natürlich nicht aus um jedes Problem aus dem Weg zu räumen. An manchen Stellen ist es echt ein Kampf gegen Faulheit oder vielleicht nicht pragmatische Denkweise, ich weiß es nicht genau.

Umso schöner ist es jeden morgen ab 9 Uhr die vielen, vielen Patienten zu sehen, die im Krankenhaus versorgt werden. Bis nachmittags ist der Gang besiedelt von Menschen, die Hilfe brauchen und sie bei Dr. Ruth und ihren nepalesischen Kollegen auch erhalten. An dieser Stelle ist es wirklich beeindruckend welche Arbeitsabläufe Dr. Ruth erfolgreich etablieren konnte und welche Kraft sie in ihr Projekt steckt. Hut ab und wenn wir einen kleinen Beitrag zur Verbesserung leisten können, dann ist er hier trotz Mängel mit Sicherheit an der richtigen Adresse.

Außerdem gefällt mir, und mit Sicherheit auch den anderen, der Austausch mit den Kindern in der Navodaya School und den anderen Nepalis sehr gut. Hier und dort ein kleines Gespräch und ein Lächeln erfreut beide Seiten. Ich denke, wir lernen auf dieser Reise wirklich sehr, sehr viel. Über andere Lebensumstände und andere Gesellschaften. Das ist nicht immer ganz einfach, aber Nepal regt zum Nachdenken an und die Jugendlichen profitieren mit Sicherheit genauso wie die Nepalis von unserem Besuch und der Arbeit die wir bisher investiert haben. Eine so unterschiedliche Kultur kennen zu lernen und das Leben anderer Menschen auf diese Weise zu erfahren ist nicht jedem vergönnt.

 Jetzt ist aber mal Zeit für einen Tag mit Amüsement, ohne Zement und ohne Schüpperei!

Morgen spielen wir gegen die Little Flower School aus Ratnanagar Fußball. Was da so alles passiert berichtet der nächste Blogeintrag.

Ich hoffe, der kleine Einblick reicht aus, um sich ein grobes Bild von der Fahrt machen zu können. Die Details gibt es dann zurück in Bonn und mit Hilfe von Fotos.

 

Liebe Grüße und bis bald,

Nico

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer