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Halbzeit

Halbzeit. Normal eine Zeit der Erholung um neue Kraft zu generieren. Nicht so bei uns. Wir müssen jetzt doppelt Gas geben, tun das aber auch soweit es geht. Als erstes ein kleines Resümee.  

Bisher haben wir auf der Baustelle über 20 Sack Zement verarbeitet, ca. 70 Arbeitsstunden pro Kopf investiert, zwei Axtstiele verbraucht, vier Schüppen kaputt gekriegt, ca. 20 m³ Erde abgetragen, 100 Schubkarren Sand und Kies vollgemacht und mindestens 10 Liter Schweiß pro Person investiert. Wir haben Fundamente gegossen, gemauert, Müll und Schutt gesammelt, das Dach gereinigt, viel Zement und Beton angemischt und Rohre verlegt. Das als nur kleiner Ausschnitt unserer Arbeit, denn es fallen täglich viele kleine Aufgaben an die erledigt werden müssen. Trotz vieler Arbeit und heißem Klima ist die Stimmung nach wie vor sehr gut und wir können nun zum Endspurt ansetzen.

Gestern war die Hälfte von uns, die den Nationalpark bisher noch nicht besucht hat im selbigen. Aufgrund der Erfahrungen der ersten Gruppe, haben wir das Elefantenreiten ausgelassen, stattdessen aber mit den Elefanten ein kleines Bad genommen. Auf jeden Fall einen Höhepunkt der Reise! Hierfür kriegt man eine Schwimmweste angelegt und begibt sich dann in das Wasser wo die Elefanten mit ihren Reitern warten. Man muss dann den Rücken des Elefanten erklimmen und hält sich jeweils an seinem Vordermann fest. Wenn sich der Elefant dann erhebt ist es alles andere als einfach auf seinem Rücken sitzen zu bleiben aber auch das haben alles von uns geschafft. Durch seinen Rüssel schleudert der Elefant Wasser nach hinten und duscht einen ganz ordentlich ab. Dabei turnt der Elefantenreiter auf dem hinteren Teil des Elefanten herum brüllt und hüpft und manchmal klettert er auch an der Seite vorbei um dem Elefanten mit einem Stock einen leichten Hieb auf die Rübe zu verpassen. Da es an dem Tag nur so vor Touristen wimmelte dauerte die Prozedur leider nur wenige Minuten bevor wir entweder abgeworfen wurden oder absteigen mussten, aber das duschen hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt.

Auf der Baustelle haben wir in den letzten Tagen aber auch einiges geschafft. Wir haben fleißig an unserem Klohaus gemauert sodass wir es im Rohbau auf jeden Fall fertig stellen können. Am Freitag kriegen wir die Türzargen und Türen und am Montag kommt der Schlosser um uns das Material für die Dachkonstruktion zu liefern die wir dann zusammen friemeln und aufsetzten müssen, bevor alles mit Wellblech gedeckt wird. Während des Mauerns haben wir uns auch ausgiebig dem Dach der Krankenstation gewidmet und es gereinigt. Lange Zeit stand hier das Wasser und der Beton ist an einigen Stellen schon leicht marode geworden. Wir haben Unebenheiten im Beton ausgeglichen und den Bauschutt der noch auf dem Dach war nach unten geschafft. Am Dienstag möchten wir auf dem Dach noch eine Schicht Beton auftragen, die mit Wasserdichtem Zement angerührt wird und dann mit Abschrägung nach außen aufgegossen werden soll, sodass in Zukunft kein Wasser mehr auf dem Dach stehen bleiben kann. Außerdem haben wir vor zwei Tagen angefangen die auf dem Dach noch rausguckenden Enden der tragenden Säulen mit beton einzuhüllen damit das Wasser nicht am Eisen entlang in den Beton laufen kann. Diese Aufgabe ist für die hiesigen Bauarbeiter sehr schwierig, da sie nicht wirklich in der Lage sind Verschalungen dafür anzufertigen.

Seit der vermeintliche Ingenieur auf der Baustelle ist, ist es noch ein wenig anstrengender geworden, da er unseren Werkzeugen wie z.B. der Wasserwaage nicht traut und alles in irgendeiner Weise nachprüfen will. Das ist soweit auch in Ordnung und am Anfang haben wir uns auch noch sehr darüber gefreut, dass er uns Tipps geben wollte. Allerdings ändert er seine Meinung im 5 Minuten Takt und das ist alles andere als Hilfreich, aber auch damit haben wir gelernt uns zu arrangieren. Man sieht also an Arbeit mangelt uns es nun wirklich nicht.

Obwohl an dem Gebäude seit ca. 3 Jahren gearbeitet wird ist es immer noch in einem Rohbauartigen Zustand. Seit ein paar Tagen wissen wir auch warum denn zwei Bauarbeiter haben sich zu uns gesellt und arbeiten ab und zu mal etwas an dem Krankenhaus. Dies passiert allerdings ohne jegliches System. Mal wird hier geflext dann dort gekloppt und alles sehr chaotisch. Vor ca. einer Woche hat Ruth, unsere Schweizer Kontakt Frau dem Indischen Geldgeber eine E-Mail geschrieben wie mit seinem Geld gewirtschaftet wird und was bisher passiert ist, woraufhin er direkt sehr besorgt und erbost geantwortet hat und noch diesen Monat vorbei kommen möchte um den Bau von jetzt an stärker zu überwachen und aufzupassen, dass das Geld wirklich zu 100% in das Krankenhaus fließt. Unser Aufenthalt ist auch für solche Fortschritte sehr wichtig, da wir einfach einen starken Druck ausüben, auf Geldgeber, Verwalter und Bauherren. Von denen handelt nämlich fast keiner nach System und es passiert nicht das was als nächstes Notwendig ist. Da wir aber auch hier auf jeden Fall am Ball bleiben werden haben wir mehr als ein gutes Gefühl und bekommen das auch oft durch bisher frustrierte Beteiligte zu spüren die einfach einen neuen Wind und neue Motivation verspüren. Das macht uns zuversichtlich und wir haben auf jeden Fall trotz einiger Rückschläge einen großen Erflog des Projektes zu verzeichnen.

Aber es gibt auch noch viele andere Interessante Dinge in Nepal zu entdecken. Deswegen werden wir morgen einen Tag die Arbeit ruhen lassen und in ein Chepang Dorf fahren. Die Chepang sind die ärmsten der Armen in Nepal und haben wirklich gar nichts. Wir sind also sehr gespannt auf den morgigen Tag und es wird bestimmt auch nicht ganz einfach diese Eindrücke zu verarbeiten. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr.

Für heute Schluss mit lieben Gruß, aus dem Land der undurchsichtigen Ingenieure.

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