1 Tag bis Nepal 2017.

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Hallo

Hallo

Hallo – wieso denn Hallo? Hat der Jan schon einen Sonnenstich? Nein, hat er nicht. Hallo aus zwei Gründen. Ich (wir wäre in diesem Falle falsch) habe jede Menge Bekannte getroffen. Geplant und ungeplant. Und Hallo, weil wir heute wieder viel erlebt haben. Aber wie immer der Reihe nach. Ich versuche mich kurzzufassen.

Aufstehen und mit Father Michael und den Schwestern frühstücken. Da gibt es zum Frühstück schon mal Nudeln. Dazu die Information, dass die Schule für weitere 15 Tage geschlossen bleibt. Das kann uns erstmal egal sein. Aber Milena (der stete Namenswechsel zwischen Milena und Melanie ist meinem gestrigen Zustand und dem Rechtschreibeprogramm geschuldet. Sorry, Milena…) ist traurig. Sie kann also erst in den letzten Tagen wieder Kinder beschulen. Das scheint ihr Spaß zu machen und dafür ist sie ja auch gekommen. Nun denn, Aufgaben wird sie finden und in der nächsten Woche Simon und mich begleiten. Das „wir“ hat also Zuwachs bekommen. Sogar eine Scouterin. Milena hat sich mal ein halbes Jahr versucht. Aber zurück zu heute.

Auf dem Programm stand, Ruth bei einem „Camp“ zu begleiten. Ein Camp bedeutet in diesem Falle, dass Ruth sich ein Auto mit Helfern schnappt, in ein Dorf fährt und Sprechstunde unter einem Baum hält. Dazu sollten auch noch Lebensmittel verteilt werden. Diese Lebensmittel werden von der Navodaya School und der Little Flower School besorgt. Es gab davon seit dem Erdbeben 16. Alle in Chepangdörfern. Die Kosten für alles (auch die Medikamente) belaufen sich auf zirka 2500 Euro pro Camp. Ein solches Camp hat Milena mit ihrer Spendenaktion finanziert, die Übrigen von Shanti med Nepal. Von den offiziellen Hilfsgeldern und Gütern ist hier noch nichts angekommen. Ein immer wiederkehrendes Problem.

Wir haben also Ruth am Rathnanagar Hospital abgeholt. Das erste Wiedersehen des Tages. Ich habe mich sehr gefreut, sie gesund, munter und voller Tatendrang nach längerer Zeit wiederzusehen. Wenn es biologisch möglich wäre, hätte ich geschworen, dass sie jünger geworden ist. Es geht also über Stock und Stein, zirka eine Stunde lang. Dann sind wir da. Ein Baum, ein Tisch und zirka 50 Leute. Schnell die Medikamente ausgepackt und los geht’s. Das Behandlungsspektrum geht von der Hautkrankheit bis zum Zähneziehen. Ohne Betäubung! Aber das meiste, so sagt Ruth, sind Beschwerden im Zusammenhang mit dem Erdbeben. Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Bauchschmerzen. Verstehe ich nicht. Aber Ruth klärt mich auf, dass das wohl auf eine Mischung aus Angst und Stress zurückzuführen ist. Ruth und ihr Kollege haben richtig zu tun. Es kommen ständig neue Patienten. Milena hat von irgendwo Kleidung mitgebracht und verteilt sie an die Leute. Sieht lustig aus, ist aber eigentlich traurig, dass die Menschen wohl nur wenig mehr Kleidung besitzen als die, die sie tragen. Da ich nutzlos in der Gegend rumstehe (Simon macht fleißig Bilder) und das eines der wenigen Dinge ist, das ich nicht mag, schlendere ich zum Dorf. Je näher ich komme, umso mehr fällt mir auf, dass es sich wohl eher mal um eins gehandelt hat. Jede Hütte (Naturstein und Lehm) ist zumindest zum Teil eingestürzt. Und in der Mitte – Hallo, ein neuer Bekannter – die orangeblaue Plane. Wir haben übrigens auch eine riesen Rolle mitgebracht und ich muss meine Aussage von gestern zurücknehmen. Die Gewebeplane, die wir kennen, ist dicker. Der Unterschied ist in etwa so groß wie der zwischen Pfannkuchen und Crêpe…. Schnell zurück zu den anderen, bevor ich wieder über den Monsun nachdenke.

Wieder zurück steht auf einmal ein kleiner Mensch neben mir, der mir doch sehr vertraut vorkommt. Hatte ihn bloß größer in Erinnerung. Es ist Maya. Gutgelaunt und kichernd (sie, nicht ich) begrüßen wir uns. Wir sind in ihrem Dorf gelandet. Irgendwann muss sie fort. Vermutlich ihren Freundinnen erzählen, wieso sie den großen weißen Mann so gut kennt. Nach zirka vier Stunden sind fast alle Medikamente fort und ich meine Ruth anzusehen, dass es sie wirklich anstrengt. Sie hat in den letzten zwei Jahren so gut Nepali gelernt, dass sie nicht mal mehr einen Übersetzer braucht. Wir beschließen, die Zeit der Lebensmittelverteilung (das erledigt Kishor) in ein nahegelegenes Restaurant zu gehen. Es liegt zehn Gehminuten von dem zerstörten Dorf entfernt. Mit Wachmann. Paradox. Ich denke da nicht weiter drüber nach an dieser Stelle. Das Essen ist wirklich gut. Ebenso die Aussicht auf einen Fluss und in die Täler. Aber ein Beigeschmack bleibt dennoch.

Dann geht es wieder zurück nach Hause. Wir 2/3 (also Simon und ich) lassen uns in Tandi absetzen, um einen gestern ausgeheckten Plan in die Tat umzusetzen. Wir kaufen zwei quietschgrüne Fahrräder. Mit Körbchen. Die sollen uns diese Woche und im Herbst gute Dienste leisten. Ansonsten sind sie für die Kinder in der Schule.

Wir erregen nur geringes Aufsehen… Zwei Weißnasen auf viel zu kleinen Damenfahrrädern mit Rucksack in Nepal. An der Schule angekommen, ist die Freude groß. Über das komische Bild und über die Aussicht auf die Räder. Während die verbliebenen Kinder die Räder ausprobieren, sind wir zum Fünfuhrtee bei Father geladen. Er fragt uns, ob wir heute noch in der Little Flower School an einem Geburtstagsessen teilnehmen wollen. Es ist wohl eine rhetorische Frage. Also nichts mit Wäsche waschen, duschen und dann ins Bett. Wir sind ja nicht zum Spaß hier. Milena sagt, dass das nicht lange dauern wird. Abfahrt ist 19:00 Uhr. Wir sind vor 45 Minuten zurückgekommen. Jetzt ist es 0:00 Uhr. Aber das Essen war wirklich gut. Und ich habe Father Cherian wiedergetroffen. Er hat uns letztes Mal das Fußballspiel ermöglicht und uns einen unvergesslichen Tag geschenkt.

Wir sprechen viel über unser Projekt im Herbst und haben einige Ideen und Pläne erörtert. Darum geht’s dann morgen. Zusammen mit Ruth werden wir versuchen herauszufinden, was wir alle machen sollen und können.

Doch wieder lang geworden. Ist wie gestern. Simon schläft – ich schreibe. Hätt` ich doch besser in der Schule aufgepasst. Dann hätt ich fotografiert….. Gute Nacht euch allen.

 

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