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Take it easy - You´re in Nepal

Die Anreise

Tja da ist er nun, der erste Blog. Etwas verspätet aber wir hatten vier wirklich turbulente Tage. Aber von Anfang an:

Samstag 26.09. 7:00 Start in der Sibylle. Keine Probleme ausser, dass der Bus und unser Gepäck etwas miteinander kämpfen mussten bis sie zueinander fanden. Univers hatte mehr Mensch als Gepäck erwartet und es gab ein kleines Überangebot an Sitzplätzen und dafür etwas weniger Kofferraum. Es hat aber alles gepasst und die Fahrt zum Flughafen verlief reibungslos, ebenso wie die Gepäckaufgabe. Die Damen vom Check In der Turkish Airlines waren von uns und unserer Reise so angetan, dass Sie einfach alles haben übers Band laufen lassen und über unser Übergepäck und die Riesenkisten kein Wort verloren haben. Das Umsteigen gegen Abend in Istanbul verlief genauso problemlos und so kamen wir am Sonntag um 6:00 Ortszeit frohen Mutes, aber leicht übernächtigt in Kathmandu an. Schlappe 24 Grad um diese Uhrzeit…… Problemlos durch die Passkontrolle und ab zum Gepäckband.

Nach langem Warten rollt unser Gepäck an. Nach einiger Zeit der Deckel einer unsrer Alukisten. Der Inhalt hinterher und dann die Kiste. In der Kiste ein Hinweis des deutschen Zolls, dass die Kiste geöffnet wurde (ach nee) und nichts entnommen wurde……..  Wie wir später feststellten, sind noch drei weitere Kisten geöffnet und untersucht worden. Die waren wieder ordentlich geschlossen, dafür, ordentlich dokumentiert. Der Hinweis, dass unsere beiden Dosen Kriechöl, zwei Dosen Terpentinersatz und zwei Dosen Malermeistermetesteufelszeug entnommen wurden. Wenn also jetzt das BKA die Sibylle observiert – ihr wisst Bescheid. Ganz zum Schluss kamen unsere großen cases. Eines davon ebenfalls offen. Das war der nepalesische Zoll. Auch das nicht ganz professionell. Der Schaden wurde aufgenommen und wir schauen mal was draus wird.

Vor dem Flughafen steht unser Bus mit einem Empfangskomitee, bestehend aus Boby (wer einmal in Nepal war, muss ihn kennen), Dr. Prünte aus Bonn mit einer Bekannten und Nicola, die schon seit ein paar Tagen in Nepal ist. Jetzt ist das Team komplett. Auch dieser Bus war eigentlich zu klein für uns und unseren Berg Gepäck, aber mit unserem Seil und nepalischer Hilfe wurde alles auf dem Dach verschnürt und ab geht die wilde Fahrt nach Tandi. Einzige Ausfälle bisher ein reisekranker Frowin. Dr. Prünte aka as Fred hat ihm aber schnell wieder auf die Beine geholfen. Nach einem kurzen Zwischenstopp nahe der Little Flower School müssen wir den Bus wechseln und kommen gegen 15:00 „Zu Hause“ an. Navodaya School. Ein herzlicher Empfang von Father Michael, den Sisters und vielen Kindern. Wir bekommen alle einen Begrüßungsschal und als eine der Letzten, Milena (sie war im April / Mai als Volunteer an der Schule) den Bus verlässt, ist die Freude groß. Ein weiteres Highlight ist der Hund (wir nennen ihn Floh) um die Ecke biegt. Er hatte sich kurz vor Abfahrt im Mai schwer verletzt und Milena hat die Sisters darum gebeten mit ihm zum Arzt zu gehen und ihn nicht sterben zu lassen. Dass das tatsächlich passiert ist, festigt mein Vertrauen in unsere Partner und die Menschen hier umso mehr. Sie hätten auch einfach sagen können der Hund ist gestorben und das Geld für die Behandlung für, aus ihrer Sicht, mit Sicherheit wichtigere Dinge nutzen können.

Danach, mittlerweile sind alle müde und kaputt, wird das Gepäck ausgepackt, die Zelte aufgebaut und die uns zur Verfügung stehenden Räume (1 Gepäckraum Jungen / ein Gepäckraum Mädchen / 1 Büro &Lager / ein großer Aufenthaltsraum zum Kochen mit Terrasse / zwei Duschräume) bezogen. Jetzt gibt es nur noch zwei Gedanken: Essen und Schlafen.

Wir begegnen jetzt einem Problem das uns die nächsten Tage begleiten und beschäftigen wird: Es gibt nur sehr wenig Gas und Benzin oder Diesel. Der Grund: Die indische Regierung ist nicht einverstanden mit der, letzte Woche verabschiedeten, nepalischen Verfassung. Deshalb wurde kurzerhand die Einfuhr von Gas und Öl gestoppt. Man will das Land strafen und lahmlegen. Aus meiner Sicht ein unfassbarer Zustand ein Land für seine souverän beschlossene Verfassung zu strafen. Egal wie gut oder schlecht sie ist. Aber leider ja nicht der einzige Fall in der Welt.

Aber gegen Hunger hilft das nicht. Auf den letzten Drücker kaufen wir noch Lebensmittel, Kochtöpfen und Gaskocher ein. Aber ohne Gas? In Nepal hilft da nur eins – Call Bobby. Der weiß aber auch keine Lösung außer uns seine zu geben. Er sagt er ist ja nur allein und wir sind viele. Also holen wir Bobbys Gasflasche und tatsächlich gibt es abends noch Reis mit Gemüse. Danach fallen alle erschöpft in die Zelte. Die Anfahrt war lang, anstrengend und der Klimawechsel fordert Kraft. Wir werden deshalb den nächsten Tag ausschließlich nutzen um uns einzurichten, zu erholen und die Lage am Krankenhaus zu sondieren.

Montag 28.09. Tag der gemischten Gefühle  

Leicht belämmert von den Temperaturen steigen um 8 die letzten aus den Betten. Zum Frühstück gibt es schon brötchenähnliche Backwaren, die wir tags zuvor beim Bäcker bestellt haben und wir verteilen die Aufgaben für den Tag. Das Ergebnis lässt sich sehen. Kurz nach dem Mittag haben wir, mit Erlaubnis von Father Michel, aus der gesamten Schule Tische, Stühle und sonstiges Inventar zusammengesammelt. Ein Sonnendach gebaut, die „Wasseraufbereitungsanlage“ gebaut, alle Nasszellen grundgereinigt und alles Notwendige eingekauft. Bei allem dabei die Schulkinder, die uns alle erstaunt, freundlich und offen beäugen und ich habe gefühlt 100 mal pro Minute „Namaste“ zu sagen.

Der „Geldtransporter“ war da und hat einen Berg Rupien gebracht und jeder hat sich 10 oder 20 Euro gewechselt und am frühen Abend gehen einige noch nach Tandi um sich mal umzuschauen und eine Kleinigkeit zu kaufen. Diejenigen die noch nie hier waren, schnuppern mal wie Nepal riecht.

Wir sprechen zunächst mit Father Michael über die Schule und was bisher dort geschehen ist. Leider hat der Verfassungsstreit und der daraus resultierende Spritboykott die Arbeiten zum Stocken gebracht und die schon beschäftigten Arbeiter sind erstmal wieder nach Hause gegangen. Keiner weiß genau wie es dort aussieht. Ein erster Rückschlag.

Doch der zweite folgt sogleich. Am frühen Abend treffen wir uns mit Ruth am Krankenhaus. Vieles sieht deutlich besser aus als im Mai. Aber für alle die noch nicht hier waren, stellt sich die Frage, ob und welcher Einsatz sich hier lohnt. Mettes Diagnose des Gebäudes ist ein Stück weit ernüchternd. Viele Wände sind sehr feucht und ihre Renovierung macht keinen Sinn solange grundsätzliche Probleme nicht behoben werden. Dazu kommt das die Sickergrube für das neue Klohaus nicht, wie vereinbart, gebaut wurde. Nun macht es erstmal keinen mit dem Bau zu beginnen. Wir setzten uns zunächst mit Ruth und Fred in Ruth´s Haus zusammen um zu überlegen was sinnvoll zu tun ist. Danach noch in Scouterrunde. Beides mal ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Wir verschieben die Überlegungen auf den nächsten Tag. Dann ist Devindra, der Leiter des Krankenhauses, da und wir werden sehen was passiert.

Mit gemischten Gefühlen gehe ich ins Bett. Werden wir in den nächsten Wochen ein brauchbares Ergebnis zustande bringen? Etwas das den Einsatz des letzten halben Jahres rechtfertigt und auch für all die Menschen die Geld, Hilfe und Unterstützung gegeben haben ok ist? Eine unruhige Nacht und schlecht ausgeschlafen beginnt der vierte Tag

Dienstag der29.9.  -  Es passiert was

Die Nachrichten des letzten Tages, der schlechte Schlaf und die Ungewissheit lassen, nicht nur mich, etwas gereizt in den Tag starten. Aber das Baustellenfieber hat uns schnell. Um 6 Uhr aufstehen, um 6:20 Frühstück; um 6:40 Werkzeug packen und um 7:00 geht’s los. So wird es heute und (hoffentlich) auch die nächsten Tage sein.

Simon steht mit dem Großteil der Truppe pünktlich zur Abfahrt bereit. Aber der Bus ist nicht da. Kein Sprit? Bloß nicht. Er verspätet sich nur um eine Stunde. Gott sei Dank. Also auf nach Kalikohla.

Der zweite, kleinere Teil von acht Menschen fährt zum Krankenhaus. Der Vormittag vergeht mit Begutachtung, Ideen, Einwänden usw. Am Ende haben wir ein für alle zufriedenstellendes Ergebnis. Die Hauptursache für die feuchten Wände ist das nicht isolierte Dach. Das ist auch eigentlich kein Dach sondern nur ein Zwischengeschoß. Wenn das nicht ist, ist jeder Pinselstrich im Gebäude vergebens. Also werden wir ein Leichtbaugiebeldach aus blauem Wellblech auf die Decke aufsetzen. Effekt – das Regenwasser  steht nicht mehr auf dem Dach und dazu wird die Temperatur im Erdgeschoß erträglicher. Ein zweiter Grund für die Feuchtigkeit sind die Wassertanks. Sie werden mit einer Zeitschaltuhr gesteuert werden und laufen gerne mal über. Wir werden die Tanks ummauern so dass sie in einem Becken stehen. Die werden wir mit einem Ablauf versehen, sodass das Wasser nicht mehr auf dem Dach steht. Darüber hinaus werden wir die Spalten zwischen den Gebäuden (die gibt es damit sich die Gebäudeteile bei einem Erdbeben bewegen können) so überbrücken, dass sie ihren Sinn erfüllen und gleichzeitig wasserdicht sind (technische Details gibt’s in Bonn). Zu guter Letzt werden wir ein Patientenzimmer nebst Nasszellen so herrichten, dass Metes sich nicht seiner Profession schämen muss. Er hat allerdings schwere Bedenken bezüglich der Farbqualität. Sowohl was den Preis als auch die Qualität angeht. Aber ich bin mir sicher – das Ergebnis wird gut.

Am frühen Abend kommt der Bus aus Kalikohla zurück und mir purzelt eine äußerst schmutzige aber gutgelaunte Schar entgegen. Der Tag dort war extrem anstrengend, aber auch erfolgreich. Wir haben einen Großteil des Fundamentes ausgehoben. Bei extrem steinigem Boden wirkliche Knochenarbeit. Aber alle sind gut gelaunt und freuen sich tatsächlich auf den nächsten Tag. Auch Simons Plan die Schulbauer mit Müsli und Trockenmilch zu verpflegen, scheint aufzugehen.

Der Tag neigt sich langsam dem Abend zu und ich verspüre so etwas wie Optimismus. Wir haben uns gut eingerichtet, der Küchendienst klappt, unsere Freunde in Nepal unterstützen uns, die Baustelle an der Schule  läuft (wenn auch mit enormem Verzug – Danke Indien) und für das Krankenhaus gibt es vernünftige Pläne die wir umsetzten können.

Ich widme mich meiner letzten Aufgabe des Tages. Ab aufs Rad und ab nach Tardi. Das siebte Mal heute. Telefonkarten besorgen. In Nepal ein Staatsakt mit Passkopie, Passbild, vier Unterschriften und zwei Daumenabdrücken. Aber ich bekomme drei und nun ist auch unsere Kommunikation gesichert. Auf dem Weg zurück, es ist 7 Uhr und dunkel, fühle ich mich an Mai erinnert. Kopflampe vergessen.

Also geht’s wieder mal im Dunkeln ab zur Schule. Ich wundere mich allerdings wieso hier ein zwei Kilometer langer Stau ist. Auf beiden Seiten. Den Grund dafür erfahre ich schon bald. Der Stau endet an einer Tankstelle. Morgen gibt es Sprit. 5 l pro PKW, 20l für einen LKW und 25 für einen Schulbus. Mir schwant Böses. Können wir morgen überhaupt zur Baustelle fahren?

In Tardi angekommen halten wir Rat. Ist es vielleicht eine gute Idee einen Teil der Meute für einige Tage an die Baustelle in die Berge zu verlegen? Wir verwerfen diese Idee. Wir können im Notfall dann nicht garantieren dass dann ein Fahrzeug mit Sprit zur Verfügung steht. Das Telefon klingelt. Es ist Bobby: „Hello Jan, no problem. I´ve got the fuel for tomorrow. Take it easy – you´re in Nepal”

Thank you Bobby – I know

Auf Bald - Jan

 PS: wir haben das letzte Internet in Nepal gefunden. Im Krankenhaus

PPS: Bilder gibt´s bei Fabian unter www.nepal15.ga-bonn.de

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