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Vor der letzten Woche - eine Zwischenbilanz

Nepal, District Chitwan, Tandi, Navodaya School, 1. Stock auf dem Balkon, 05:30. Es wird hell. Sehr schnell hier in Nepal. Der Küchendienst ist schon wach und klappert. Metes sitzt mir gegenüber und bereitet Infos für unsere letzten Tage in Kathmandu vor, die beim Frühstück vorgetragen werden. So lernen wir gemeinsam mehr über die Menschen hier, ihre Geschichte und Traditionen. Die Schüler der Schule sind auch schon wach. Einige spielen Fußball. Unser Alltag in Nepal.

Nach zwei von drei Wochen und vor unserem drittletzten Arbeitstag an Schule und Krankenhaus, Zeit eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.

Ich finde, wir hatten bisher eine wirklich gute Zeit. Wir haben viel erlebt und Eindrücke über Menschen und ein Land, das arg gebeutelt ist, gesammelt. Aber trotz aller Probleme, von denen wir schon wussten (Erdbeben, schlecht Versorgungslage), und denen, die uns hier überrascht haben (Rohstoffboykott aus Indien) sind alle Menschen mit denen wir zu tun haben sehr freundlich, hilfsbereit und freuen sich über unseren „Haufen“. Unsere Freunde hier, besonders die Leute um Father Michael von der Schule, alle Schulkinder, Bobby und das Team um Ruth vom Krankenhaus unterstützen uns, wo sie können und machen selbst das Unmögliche möglich.

Es wird geweckt und die ersten müden Scouter schnappen sich Tee oder Kaffee. Ich schreibe nach dem Frühstück weiter. Es wird lauter und der Tag beginnt.

8:00. Alle sind schon zu den Baustellen unterwegs oder arbeiten bereits. Der Küchen- und Hausdienst putzt Toiletten, Küche, Böden und die Gepäckräume, schreibt Einkaufslisten, bringt Müll weg und ist fleißig. Ich habe meine täglichen Büroarbeiten erledigt und werde mich gleich mit Bobby auf die Jagd nach neuem Gas und Extrasprit für den Bus machen, damit wir in Kathmandu noch eine „Sightseeingtour“ machen können, und danach zum Krankenhaus fahren, um zu helfen.

Zurück zur Zwischenbilanz. Also: die Gruppe ist top. alle halten gut zusammen und unterstützen sich. Milena und Fabian sind fester Bestandteil des Teams. Scouter und Chepang sitzen abends auf der Bühne und singen sich gegenseitig ihre Lieder vor. Kultureller Austausch ohne viele Worte. Einige haben Freundschaften in der Nachbarschaft geknüpft und sind sogar schon zum Tee bei den Nepali im Haus eingeladen worden. Kim und Toni haben vorgestern ein entlaufenes Kalb wieder zu ihrem Besitzer in den Stall gestellt. Es passiert also viel neben dem Projekt und das freut mich sehr. 

Und die Arbeit? Nach anfänglichen Schwierigkeiten an allen Ecken sieht es jetzt, am drittletzten Arbeitstag, so aus, als ob wir mit vielen brauchbaren, sinnvollen und nützlichen Ergebnissen unserer Arbeit die Region und die Chepang verlassen werden. An der Schule hat Simon in seiner ruhigen, sachlichen und unaufgeregten Art es jeden Tag geschafft, alle zu motivieren, riesige Steinhaufen von A nach B und über C zurück nach A zu bewegen. Gemeinsam mit den Arbeitern ist gestern der erste Teil der Bodenplatte gegossen worden, es gibt ein Dach, die Wände sind zum Großteil fertig und sogar Türen und Fenster gibt es schon. Das hat vor zwei Wochen nicht jeder geglaubt. Aber jetzt sind wir sicher, dass jeder der uns unterstützt hat sehen wird, dass wir nicht zu viel versprochen haben. Da steht jetzt eine Schule auf dem Berg.

Und am Krankenhaus? Da ist es lauter und bunter. Das liegt nicht nur an den beiden Bauleitern, Nico und Metes, die mit viel Spaß und mit Hilfe einer kleinen Musikanlage (manche Songs und Tanzeinlagen lassen mich manchmal zwar am Alter von Metes zweifeln, aber ……) die Stimmung oben halten und die vielen kleinen Probleme, Änderungen, Zweifel und Unglauben an unsere Fähigkeiten durch einige Krankenhausangestellte vergessen machen. Laut und bunt ist es auch wegen der vielen Besucher des Krankenhauses, die täglich kommen und auch gerne mal auf dem Dach stehen und schauen was wir Weißnasen so machen (weiß sind unsere Nasen übrigens schon lange nicht mehr). Auch, dass Ruth deutlich entspannter ist, als noch vor zwei Wochen, ist schön zu sehen. Wir wissen und sehen, dass unser Engagement hier Sinn macht und hilft.

Aber was ist hier geschafft? Der Krankenraum ist seit gestern so gut wie fertig. Mit gelben Streifen an der Wand und so weiß wie frischer Schnee. Im Geburtszimmer prangen seit gestern die ersten gemalten Blumen an der Wand. Im Keller werden drei Toiletten saniert. Das hat die Geruchssituation deutlich verbessert. Und auf dem Dach ist die „Erdbebenspalte“ kurz vor Ende der Sanierung. Alle Säulen zur Aufnahme der Bewährung für den nächsten Stock sind saniert oder neu erstellt worden. Das Gerüst zur Aufnahme des Zwischendachs steht kurz vor der Vollendung. Morgen werden die Stangen verschweißt.

Wir werden es leider nicht mehr selber erleben, dass alles völlig fertiggestellt ist. Aber die Handwerker, die das machen, sind beauftragt und die finanziellen Mittel von uns liegen dafür bei Shanti und der Little Flower Society bereit. Jana und Nicola, die ja noch einige Zeit hier sein werden, werden uns über den Fortgang der restlichen Arbeiten unterrichten und ich bin der festen Überzeugung, dass Jana, wenn sie Ende November wieder in Bonn ist, die Fertigstellungen melden kann. In Kalikhola und in Tandi.

Damit ist für mich dieses Projekt schon jetzt ein Erfolg. Für uns Scouter und unsere Erfahrungen und für die Chepang hier in Nepal. Ich hoffe, wir werden es auch in Zukunft schaffen Menschen zu überzeugen uns bei unserer Arbeit hier finanziell zu unterstützen.

Und weil auch jedes Ende mal einen Anfang hat, schließe ich hier und packe die erste Kiste für die Rückreise. Unsere Fußballtrikots. Wir brauchen sie dieses Mal nicht mehr. Vorgestern haben wir mit der Navodaya School Fußball gespielt. Es war ein riesiges Fest und hat irre viel Spaß gemacht. Wir haben auch unsere erstes Tor geschossen. Vielmehr zwei. Leider hat Julian das erste in unserem Tor versenkt und wir haben 7:1 verloren. Egal. Es hat viel Freude gemacht.

Jan

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