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Werkzeugkontrolle

Werkzeugkontrolle

Thema des heutigen Tages – Kontrolle des Werkzeuges. Eine einfache Sache – mag man meinen.

Vorgeschichte: Bei unserem letzten Besuch haben wir unser gesamtes aus Deutschland mitgeführtes Werkzeug in Nepal gelassen. Die Einfuhr ist so kompliziert, dass uns dies als sinnvoll erschien. Es handelt sich um Maschinen und Verbrauchsmaterial im Werte von zirka 3.000,- €. Zwiebel hat es bei unserem letzten Besuch ordentlich eingeölt und in zwei Metallkisten verpackt. Dazu noch unser ganzes in Nepal erworbenes Werkzeug wie Schaufeln und Schubkarren. Auch nochmal ein ordentlicher Haufen Geld. Das ganze haben wir Ruth zu treuen Händen übergeben. Leider konnte sie es bei ihrem Umzug von der alten Wohnung in die neue nicht mitnehmen. Also hat sie es, mit unserem Einverständnis, an Boby weitergegeben. Der teilte uns gestern mit, dass es bei einem neuen Projekt gelandet sei. So weit so gut. Nur leider zirka zwei Fahrstunden entfernt….

Also hieß das veränderte Programm: Ab nach Chormora (oder so ähnlich) und das Werkzeug checken. Da steht schon ein Bambushaus, das wir uns bei Gelegenheit sowieso anschauen wollten. Man wäre dann ja am frühen Nachmittag wieder zurück. Dann hätten wir noch Zeit, unseren Kopf mal in Pläne und Papier zu stecken.

Jetzt wird es aber nepalisch. Wenn wir doch eh in die Richtung führen, könnte man das doch mit einem Besuch in Devgath verbinden. In Devgath münden zwei Flüsse ineinander und dort ist eine buddhistische Kultstätte. Dazu eine imposante Hängebrücke. Also etwas, was wir uns nicht entgehen lassen sollten. Und wenn schon, dann sollten auch die beiden students of social work und die beiden Besucherinnen aus Indien mit. Dieser Plan war schon bei Verkündung nicht zu diskutieren. Die Reisegruppe bestand also aus drei ausgewachsenen Europäern, zwei indischen Schwestern, fünf Inderinnen, einem Boby und einem Kishor. Macht 12. In Deutschland würde man sagen, eine ausgewachsene Reisegruppe. Problem: Fahrzeuge: ein Mahindra Geländewagen mit fünf echten Sitzplätzen und zwei Notsitzen und ein Kleinkraftrad mit geschönter Zwei-Mann-Sitzbank. Macht neun Plätze… Meine anfängliche Freude, nicht im Auto mitzufahren, sondern auf dem Sozius von Bobys Moped Platz zu nehmen, erwies sich recht schnell als Trugschluss. Schon die Fahrt auf normaler Straße war „Steiß“treibend. Aber das letzte Drittel auf unbefestigten Wegen wird mir lange in Erinnerung bleiben. Wenigstens hab ich Farbe bekommen und der Wind ist mir schön um die Nase geweht. Im Auto wird’s nicht besser gewesen sein.

Zurück zum Thema – Im Bambushaus angekommen, mussten wir leider feststellen, dass das Werkzeug um das es uns ging, nämlich das in den Metallkisten, doch bei Ruth steht. Im Bambushaus waren nur die Schaufeln usw. gelandet. Und das wenige, was noch da ist, ist in einem fraglichen Zustand. Dieser Vormittag war also für die Katz. Das Bambushaus ist aber wirklich schön und eine Konstruktion wie diese habe ich noch nie gesehen. Dies hier alles zu beschreiben wäre dann wirklich zu lang. Gibt’s zu Hause. Also ging es wieder zurück.

So ein Steiß… Mit einer Unterbrechung zum Mittagessen in einem kleinen Restaurant bis zur Little Flower School. Dort waren wir um zirka 13:00 Uhr. Zwischendurch hatten wir Ruth kontaktiert und Gott sei Dank ist das Werkzeug doch wieder bei ihr gelandet. Also noch an das Flussdelta und dann zu Ruth, Werkzeug kontrollieren und um 18:00 Uhr auf dem Dach der Schule sitzen, denken, planen, entspannen und früh ins Bett.

Denkste. “It gets Nepali again”. An der Schule angekommen, wurde zur Überraschung aller festgestellt, dass die Temperaturen deutlich über null liegen und eine Siesta wohl angebracht sei. Spätestens 15:00 Uhr sollte es weiter gehen. Tschüss, Feierabend auf dem Schuldach… Als es schließlich um 16:00 Uhr fast mit meiner rheinischen Gelassenheit vorbei war (und übrigens bei Simon schon vermehrte Herztätigkeit zu bemerken ist), geht es tatsächlich los. Nach kurzer Fahrt sind wir an der Hängebrücke. Ein imposantes Bauwerk und unfassbar schöne Umgebung. Einige Mitglieder der Reisegruppe fühlen sich auf der Brücke nicht so wohl. Ich schon. Tolle Sache, toller Ausblick. Das hier versöhnt schon für den Tag bisher. Der Weg auf der anderen Seite der Brücke bis zum Delta mit vielen Tempeln, Skulpturen und heiligen Männern auch. Es geht zwar steil auf und ab, aber es gibt immer viel zu sehen. Affen toben über unsren Köpfen. Beeindruckend auch die jungen Frauen und Männer, die wirklich schwere Lasten auf ihren Köpfen tragen.

Nachdenklich werden wir, als uns eine sehr alte Frau mit einer noch älteren Frau auf dem Rücken entgegenkommt. Auch das ist Nepal. Unten am Fluss angekommen, wird uns angeboten, mit dem Boot überzusetzen. Die Mädels wägen die Angst vor der Brücke mit der der Bootstour ab. Ergebnis, Boot ist nicht so schlimm. Simon, Kishor und ich laufen. Wir wollen noch Eindrücke sammeln. Zurück beim Auto geht’s nach Hause in die Schule.

Dort angekommen schwingen wir uns auf unsere Räder und fahren zu Ruth. Wenn wir das Werkzeug schon nicht mehr heute kontrollieren können, so wollen wir es doch wenigstens heute noch sehen. Erst dann können wir beruhigt schlafen. In Ruths neuer Wohnung angekommen finden wir die Kisten unter der Treppe. Wohlbehalten. Ruth zeigt uns ihr neues Nepalzuhause. Wirklich schön und gemütlich. Wir sitzen auf der Terrasse, schauen über das Land und haben ein wirklich gutes Gefühl.

Ruth erzählt von positiven Veränderungen, aber auch von Sorgen und Nöten. ACHTUNG jetzt wird´s nicht nepalisch, sondern scouterisch. Eines ihrer akuten Probleme ist, dass bis Ende der Woche die Batterien der Solarstation des Krankenhauses aufgestellt werden und der dafür vorgesehene Raum voll mit Müll und zugemauert ist. Der Mitarbeiter (einer der Staatsangestellten) findet immer neue Ausreden, warum dies nicht zu schaffen oder zu machen sei. Die finale Ausrede war, dass die Wand nicht zu öffnen sei. Zumindest nicht in Kürze. Simon, ich und unsere Metallkisten halten kurz mentale Rücksprache und stellen fest – sie ist zu öffnen. Ruth, zuerst etwas ungläubig, zieht mit und so Radeln wir zu dritt in der Dämmerung zum Krankenhaus, um eine Mauer niederzureißen (historisch gesehen nicht ungewöhnlich für Deutsche, aber womöglich das erste Mal in Nepal). Am Krankenhaus angekommen wird unter den Augen des staunenden Wachpersonals binnen kurzem im Licht von zwei Taschenlampen mit Flex und Hammer ein ordentlicher Zugang zum Müll geschaffen. Ruth ist glücklich (als Schweizerin ist es ja auch der erste  Mauerfall der sie direkt betrifft) und wir auch. Schnell zurück in die Schule. Vielleicht bekommen wir noch was zu essen.

Es ist mittlerweile dunkel und wir müssen feststellen, dass Licht nicht zur Standardausrüstung unserer Räder gehört. Übrigens auch nicht zu nepalesischen Straßen. Wer wissen will wie das ist so zu fahren kann es mal versuchen. Einfach mal eine Schlafbrille anziehen und von Bonn nach Godesberg fahren. Ob B9 oder am Rhein egal. Hat beides denselben Effekt. Aber – keine Sorge – wir sind angekommen und haben uns auch nur ein bisschen verfahren.

Fazit: Bei Ankunft in der Schule – Simon und ich von etwas Arbeit total verschwitzt und dreckig – schauen uns an und Simon stellt fest „Na – das war ja schon mal ein Vorgeschmack auf den Herbst“. Meine Antwort „Super – oder ?“. Dann gehen wir duschen. Direkt mit Klamotten. Man kann ja auch mal zwei Sachen gleichzeitig Waschen. Sich und seine Klamotten. Scouterisch halt. Ein bisschen bekloppt, aber praktisch.

Gute Nacht und bis morgen. Ich bin schon sehr gespannt, was er bringen wird. Ihr werdet`s erfahren.  

 

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