1 Tag bis Nepal 2017.

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Scouter in der Welt

Hier können Scouter, die sich auf in die große weite Welt gemacht haben, von ihren Erfahrungen, Erlebnissen und Projekten berichten:

Auch wenn das Scouting Bonn e.V. nur ein kleiner Verein in Bonn ist, so beschränkt sich die Gemeinschaft nicht bloß auf das kleine räumliche Umfeld. Vielmehr zieht es uns Scouter in die große weite Welt hinaus, zu Menschen, die oft nicht einmal genau wissen, wo Deutschland liegt. Dabei vereint uns wahrscheinlich alle der Drang, draußen in der Natur zu sein, kreativ zu werkeln, unser Wissen weiterzugeben, aktiv mitanzufassen und vor allem immer Neues zu lernen.

Ich möchte ein wenig von meinem eigenen Leben und meinen Erfahrungen in der tropischen Stadt Pucallpa im Osten Perus berichten.

 

Wie viele andere zog es mich nach Beendigung meiner Schullaufbahn hinaus in die Welt. Als deutscher Staatsbürger kommt man in den Genuss etlicher Privilegien, die den meisten Weltbürgern verwehrt bleiben. Man mag dies als ungleiche Chancenverteilung oder als Glücksfall betrachten. Über das vorwiegend staatlich finanzierte Programm weltwärts wurde ich hier nach Peru entsendet, um im Bereich der Umweltbildung zu arbeiten.

 

Grob lässt sich meine Arbeit in zwei Bereiche aufteilen. Zum einen helfe ich in einem privat geführten botanischen Garten, zum anderen in einem dem Schutz des Regenwaldes gewidmeten Projekt namens „cero deforestación“ (null Abholzung) in zwei Dörfern, die während der Regenzeit nur mit kleinen Booten zu erreichen sind. Hauptsächlich helfe ich aktiv bei der Arbeit auf dem Feld, dem Pflanzen, Beschneiden, Kontrollieren und Kultivieren, außerdem helfe ich bei Weiterbildungsmaßnahmen, der teilweise sehr schwierigen Kommunikation und der Koordination. Um hier aber niemanden mit genauen Tagesabläufen etc. zu langweilen, verweise ich gerne auf den unten aufgeführten Link zu meinem Blog, auf dem man sich ausführlicher über die verschiedensten Erfahrungen informieren kann.

 

Was aber hat all das überhaupt mit Scouting zu tun? Nur weil ein einzelner, nicht mehr aktiver Scouter sich in weiter Ferne aufhält, braucht das noch lange nicht auf der Website aufzutauchen. Was uns aber verbindet, ist die stete Neugierde unserer Welt gegenüber. Und Neues gibt es eben überall.

 

Während sich für den Einzelnen im gewohnten Umfeld nur einzeln etwas Neues ergibt und gerne auch vom Alltagstrott überschattet wird, so ergibt sich relativ zur Entfernung aus dem eigenen Kulturkreis ein immer größerer Unterschied zum dem, auf das man sich in seinem bisherigen Leben eingestellt hatte. Für mich bedeutete dies natürlich eine Umgewöhnung.

 

Neben dem Erlernen der neuen Sprache sind Nerven aus Stahl, eine absolute Reis-Toleranz, ein deutliches Herabsenken der hygienischen Ansprüche (zumindest dieser Punkt sollte einem Scouter mit Lager-Erfahrung nicht sonderlich schwerfallen) und vor allem das Verständnis vielen andersartigen Verhaltensweisen gegenüber notwendig, wenn nicht gar überlebenswichtig. Wer nach einer Stunde des Wartens auf ein Transportmittel bereits am Rad dreht, dem wird ganz schnell deutlich, dass das Rad eben manchmal noch erfunden werden muss, bevor es losgehen kann. Am Rad drehen ist da jedenfalls nicht angesagt. An anderer Stelle kann es dann sein, dass durch erhöhtes Schlammaufkommen das Am-Rad-Drehen zwar sehr leicht möglich ist, dies aber keineswegs dabei hilft, auch nur einen Meter voranzukommen. In einer solchen Situation sind die Peruaner sehr pragmatisch (und an dieser Stelle möchte ich einmal verallgemeinernd „die Peruaner“ schreiben, da es sich im Folgenden um ein Lob handelt). Statt lange über die missliche Lage zu lamentieren, wie das bei einer ähnlichen Situation in Deutschland wohl der Fall wäre, steigen eben alle einfach aus und helfen mit, machen sich dreckig, nur damit es bald weitergehen kann. Von diesem Verhalten haben alle etwas und viele können sich hieran ein Beispiel nehmen.

 

Immer wieder komme ich hier in Peru, wahrscheinlich gerade wegen der großen Entfernung zu Deutschland, ins Nachdenken über mein eigenes Land. Über die Schönheit auch der mitteleuropäischen Natur, das Wunder der hier nicht existenten vier Jahreszeiten, den Luxus unseres Bildungssystems. „Einige Deutsche wollen nicht alle Flüchtlinge aufnehmen?“, fragt mein peruanischer Chef manchmal, „Wieso werden denn keine nach Peru geschickt?“ Diese Mentalität lobe ich mir. So groß das Problem auch sein mag, so schwierig die äußeren Umstände, so knapp das Geld: Mit genügend Improvisationstalent geht es immer irgendwie weiter.

 

Alle, die gerne ein wenig mehr über meine Erlebnisse aller Art lesen oder sich weitere Fotos ansehen wollen, verweise ich auf meinen Blog www.perundschau.wordpress.com.

 

 

Viele Grüße von Sören

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